Digital Führen

Wer im Kontext Industrie 4.0 am Markt bestehen, sein Potenzial voll ausnutzen und im Wettkampf um Talente erfolgreich sein will, muss Führung neu denken - und (vor-)leben. Zuallererst im Management.

In der VUCA-Welt (VUCA ist ein Akronym für volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig) sind Führungsprinzipien wie "command and control" nur noch bedingt tauglich. Für eine erfolgreiche digitale Transformation braucht es neben neuen Strukturen und digitalen Tools vor allem eine neue Haltung. Schlüsselbegriffe sind dabei Vertrauen, Dialog, Co-Kreation, Partizipation, voneinander und miteinander lernen.

Der Anspruch heute ist es, alle strategischen Aktivitäten auf den Kundennutzen auszurichten - einzigartige Kundenerlebnisse zu schaffen und Produkte in Echtzeit zur Verfügung zu stellen.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind vielfältig: 

  • ein digitales Abbild von Produkten kann erstellt werden („Digital twins“), um neue Funktionen zu simulieren, den Abnutzungsgrad zu analysieren oder Anwendungen gezielt zu steuern und zu kontrollieren.
  • Kauferfahrungen von Kunden können optimiert werden („Customer Journey“), indem Plattformen zur Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen verwendet werden. Damit wird der Preisvergleich und die Kaufentscheidung erleichtert und der Service für den Kunden verbessert. 
  • Bestell- und Logistigprozesse können so aufgestellt werden, dass der Kunde sein Ersatzteil genauso schnell und reibungslos geliefert bekommt wie zum Beispiel eine Buch-Bestellung.

Mittlerweile gibt es viele Anwendungsbeispiele wie Prozesse, Produkte und Dienstleistungen, die durch digitale Applikationen optimiert werden - das reicht vom Melkroboter in der Landwirtschaft bis zum App-gesteuerten Supermarkt-Schaufenster in der U-Bahnstation.

Wenn der Kunde in den Mittelpunkt rückt, was passiert dann mit den Mitarbeitenden?

Der Mitarbeitende rückt zwangsläufig in den Hintergrund - so eine gängige Meinung in Digitalisierungsprojekten. Der Mitarbeitende muss, soll, kann doch schneller, flexibler und innovativer arbeiten. 

Jetzt werden Backlogs geschrieben, Post-Its in den täglichen Besprechungen („Dailys“) verschoben und cross-funktional diskutiert. Die eine Leitfigur - früher Führungskraft genannt - wird abgeschafft und der Kundenmanager („Product Owner“) aus dem Boden gestampft. Alles dreht sich um den Kunden und seine Bedürfnisse - in der Hoffnung, dass die passende Zielgruppe mit dem entsprechenden Geldbeutel ausgewählt wurde. Es darf experimentiert, ausprobiert und kreativ gedacht werden („trial & error“). Das Scheitern gehört genauso zum Teamalltag wie das permanente Streben nach Verbesserung und Lernen.

... eine Arbeitswelt, die für viele attraktiv klingt - der Dreiklang von Dürfen, Können und Wollen wird gut gedacht und führt zu der Möglichkeit (wieder) selbstbestimmt, eigenverantwortlich und mit einer hohen Selbstwirksamkeit tätig zu sein. Eine Win-Win Situation für Mitarbeitende und Unternehmen.